Chronik des TV Haldenwang

Der eigentliche Anfang des Turnens in Haldenwang war bereits im Jahre 1907. Erster Höhepunkt war 1913 ein Freilicht – Varieté-Theater, das durch seine künstlerischen Vorführungen, besonders jedoch durch eine turnerische Glanzleistung am Vierer-Trapez, großen Anklang fand. Der erste Weltkrieg verhinderte die Bestrebung, das Turnen in einem Verein auszuüben.
Am 16. September 1920 wurde dann die Versammlung zur Gründung des Turnvereins Haldenwang abgehalten. Neben der Ausübung des Turnsports waren es vor allem die Turnerbälle und humorvollen Singspiele, die eine stetige Aufwärtsentwicklung brachten. Schon 1924 konnte eine Turnerfahne geweiht werden. 35 Vereine mit Fahnenabordnungen, ca. 2oo Wetturner und 4 Musikkapellen beteiligten sich an der Fahnenweihe.
Mit großem Teamgeist erstellten die Turner einen Sportplatz, für dessen Ausbau 1.445 cbm Erdreich umgearbeitet wurden. Das Gelände stellte die Gemeinde zur Verfügung und zum Ausgleich gab der Verein den Sportplatz für die Benützung durch die Schüler frei.
Die weiteren Bestrebungen galten der Bildung einer Damenriege, der Gründung einer Skiabteilung 1930 und dem Bau einer Turnhalle. Durch freiwilligen Arbeitseinsatz der Turner wurde in 19 Tagen eine Turnhalle aufgerichtet, deren Holz von Mitgliedern und Gönnern gestiftet wurde. Verbunden mit der Halleneröffnung wurde im Juli 1932 das Gauturnen Kempten/Immenstadt mit 32 Vereinen abgehalten.
Nach der Machtübernahme der Organisatoren des Dritten Reiches 1933, wurde der aktive Turnbetrieb stark beeinträchtigt. Trotzdem waren es die Mitglieder des Turnvereins, die während dem Bau des gemeindlichen Schwimmbades, zur Erstellung des dortigen Sportplatzes, durch freiwilligen Arbeitseinsatz wesentlich beigetragen haben.
Während des zweiten Weltkrieges wurde ein großer Teil der Mitglieder zum Wehrdienst eingezogen. Davon kehrten 45 nicht mehr zurück.
Nach Kriegsende 1945 war an eine Sportausübung nicht zu denken. Doch bereits am 8. September 1946 wurde die Neugründung vollzogen und in einer raschen Entwicklung wuchs die Mitgliederzahl.
1950 konnte das 30jährige Bestehen mit einem Turn- und Sportfest mit 370 Teilnehmern und internationaler Beteiligung gefeiert werden. Beim Festabend wurden goldene und silberne Verbands-Ehrennadeln überreicht und 8 verdiente Mitglieder zu Ehrenmitgliedern ernannt. 1952 wurde die Turnhalle durch einen unterkellerten Anbau, eine Bühne und Umkleidekabinen erweitert. Somit stand die Turnhalle auch als Kino und Festhalle zur Verfügung.
In den Jahren 1950-54 entwickelte sich eine außergewöhnliche Aktivität im Jugendturnen. Die vielen Erfolge und schönen Erinnerungen gaben den Anlass zur Entscheidung, im Juli 1957 das Bezirksjugendturnfest durchzuführen. 730 Teilnehmern wurde unter Beweis gestellt, dass sich der TVH seinen großen Namen in der Gestaltung von Turnfesten zu Recht erworben hat.
Weitblickende Mitglieder stellten zum richtigen Zeitpunkt fest, dass sich im Sport eine Veränderung abzeichnet und beschlossen 1960 eine Fußballabteilung anzugliedern. 1964 wurde dann auf Antrag von 3 Mitgliedern die Abteilung Schwerathletik gegründet. In den folgenden Jahren konnte die Mitgliederzahl durch die Werbung des Vorstandes beträchtlich erhöht werden. Aber nicht nur die Mitgliederzahl stieg, sondern auch die Leistungen der Sportler. So konnten bald die Schwerathleten Allgäuer und Schwäbische Meister stellen. In besonderer Weise überragten die Leistungen der Skiabteilung. Sie stellte über viele Jahre Allgäuer, Schwäbische, Bayrische und Deutsche Meister, und einige Langläufer vertraten die nationalen deutschen Farben auf internationaler Ebene. Eine offizielle Gründung der Leichtathletikabteilung ist nicht protokolliert, doch bereits 1953 gab es unter den Haldenwanger Turnern einen deutschen Turnfestsieger. Seit dieser Zeit nehmen Sportler aus Haldenwang regelmäßig an den deutschen Turnfesten teil und stellen immer wieder Sieger.
Aus der Turnerschaft heraus entstand auch die Wanderabteilung, die schon vor dem 2. Weltkrieg aktiv war und danach wieder belebt wurde.
Am 29./30. August 1970 feierte der TVH sein 50-jähriges Bestehen mit einem Festabend, Unterhaltungstanz, Feldmesse, sowie Turn- und Leichtathletikwettkämpfen. In seiner Festrede kündigte der Bürgermeister den baldigen Bau einer zeitgerechten Turnhalle an. Fünf Jahre später, im September 1975 konnte das neue Sport- und Freizeitzentrum, kurz „SPOZE“ genannt, eingeweiht werden. Nicht nur eine Turnhalle stand damit zur Verfügung sondern auch ein Schwerathletikraum, 2 Kegelbahnen, ein Bierstüble und der Gemeindesaal mit einer Bühne und im Außenbereich zwei Tennisplätze. Mit dem neuen Sportzentrum waren ideale Voraussetzungen geschaffen auch Sportarten auszuüben, die bis dahin in Haldenwang noch nicht etabliert waren. Bereits 1974 entstand die Tennisabteilung, 1975 wurde von einigen Hobbykeglern die Sportkegelabteilung ins Leben gerufen, eine Tischtennisabteilung gegründet und mit dem Aufbau einer Volleyballmannschaft begonnen. Es lag sicher an den guten Voraussetzungen der Sportstätten und dem damit verbundenen Trainingsfleiß der Sportler, dass in den folgenden Jahren u.a. zwei Weltmeister im „Stoilupfa“ aus Haldenwang kamen oder die Volleyballabteilung 6 Mannschaften im Spielbetrieb stellte. Es lag auch an der Vielseitigkeit der TVH-Mitglieder, die sich von Waldläufern zu Marathonläufern und Triathleten entwickelten. Es lag und liegt auch heute noch im Besonderen an unseren Abteilungs- und Übungsleitern, dass TVH-Sportler stets mit hervorragenden Leistungen aufwarten und auf Siegerlisten zu finden sind und damit der Tradition der 75-jährigen Vereinsgeschichte gerecht werden. Die stetige Aufwärtsentwicklung der Mitgliederzahlen und der Wunsch nach verbesserten Sportstätten brachten im Außenbereich 1976 die Erweiterung um 2 Tennisplätze und einen Allwetterplatz. 1985 wurde südlich des Schwimmbades ein neuer Sportplatz für Schul- und Vereinssport eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. Heute, nach rund 20 Jahren kann mit Recht behauptet werden, dass unser „SPOZE“ das gemeindliche Zentrum für Breiten-, Leistungs- und Schulsport, sowie zur Pflege von Geselligkeit und Feierlichkeiten vom ersten Tag an war und noch immer ist.

–Richard Berz–

Erweiterter Text zur 85-Jahr Feier

Als 1920 etwa 95 mutige Bürger von Haldenwang den Sportverein gründeten, konnten Sie nicht wissen, was sie für die Gemeinde hinterlassen.
Heute ist der Turnverein der größte aller ortsansässigen Vereine und bietet jedem sportlich interessierten Bürger ein Betätigungsfeld.
Ein kleiner geschichtlicher abriss durch die vergangenen 85 Jahre.

      1924 Fahnenweihe
      1924 Sportplatzbau
      1930 Bau der ersten Turnhalle
      1930 Die Schiabteilung wird ins Leben gerufen
      1932 Gauturnfest Kempten Immenstadt
      1933 Bau des Sportplatzes beim Schwimmbad
      In der Zeit des zweiten Weltkrieges waren die Aktivitäten sehr Eingeschränkt.
      1946 Neugründung des Vereins
      1946 Hierunter fällt auch die Gründung der Leichtathletikabteilung
      1950 Zum 30 jährigen Bestehen ein Turnfest mit
      370 Teilnehmern.
      1952 Erweiterung der Turnhalle mit Anbau und Keller
      1953 Erste Siege beim Deutschen Turnfest
      1957 Bezirksjugendturnfest mit etwa 730 Teilnehmern.
      1960 Gründung der Fußballabteilung (Josef Geißler, Paul Herb)
      1964 Gründung der Schwerathletikabteilung (Rudolf Sauerwein, Theodor Prestel, Robert Welle), die später sehr erfolgreich (Allgäuer/Schwäbische Meisterschaften) erzielten.
      1960 bis 1970 war die große Zeit der Langläufer in Haldenwang, schöne Nachtrennen und Meisterschaftserfolge kennzeichnen diese Zeit.
      1970 50 Jahrfeier mit Festlichkeiten
      1975 Inbetriebnahme der neuen Sporthalle und des Festsaales, sowie einer Kegelbahn.
      1975 Gründung der Kegelabteilung
      1975 Gründung der Tischtennisabteilung
      1975 Gründung der Tennisabteilung
      1976 Gründung der Volleyballabteilung
      1976 Allgäuer Turnerjugendtreffen in Haldenwang
      1976 Erweiterung der Tennisanlage
      1985 Bau des neuen Sportplatzes beim Schwimmbad
      2005 Erstellung der Zuschauertribüne am Sportplatz
      2009 Erweiterung der Vorstandschaft mit dem 3. Vorstand
      2009 Anpassung der alten (1978) Satzung und Erweiterung der Satzung an den TV Haldenwang

Nach der Ära „Tschuri“ Georg Knestel, unserem verstorbenen Ehrenvorstand, wurde unter dem 1. Vorstand Franz Breitfeld der Verein neu aufgestellt. Wir haben die Verwaltung auf EDV umgestellt, ein Geschäftszimmer mit Sprechstunden eingerichtet und die Abteilungen als selbsttätige Einheiten eingeführt.
1992/93 bin dann ich zum 1. und Matthias Amann zum 2. Vorstand gewählt worden. In unsere Zeit fiel dann auch die Entscheidung eine neue Vereinsfahne zu bestellen. Zur 75 Jahrfeier 1995 war das Werk fertig und konnte feierlich eingeweiht werden.
Mein Spruch an jeder Jahreshauptversammlung an die Gäste ist, dass der Sportverein neben der sportlichen Ausbildung der Kinder und Jugendlichen, eine hohe soziale Verantwortung und Menschenführung übernimmt. Leider wird dies in der Gesellschaft oftmals nicht erkannt.
In den vergangenen Jahren hat der Verein sich kontinuierlich weiterentwickelt und natürlich auch investiert. So wurde für die Leichtathleten eine Materialhütte auf dem neuen Sportplatz errichtet.
Die Turner erhielten die notwendigen neuen Geräte, wie Weichbodenmatte und eine große Wettkampfmatte.
Bei den Keglern sind regelmäßig neue Kegelspiele notwendig.
Die Schiabteilung brachte das Spurgerät wieder mit viel Aufwand und persönlichem Einsatz auf den besten Stand.
Ganz neu, wurde auf Betreiben von Richard Berz und Andi Adamer ein kleiner Kletterturm bei Schwimmbad errichtet.
Die Tennisabteilung konnte mit Unterstützung der Gemeinde das Tennisheim richtig trocken stellen und wir beteiligten uns an den Renovierungskosten.
Nach 17 Jahren zeichnet sich ein gravierender Wechsel in der Vorstandschaft ab, mein Stellvertreter und Wegbegleiter durch die turbulenten Jahre nach der Ära Franz Breitfeld scheidet aus eigenem Wunsch aus der Führungsringe des TVH aus.
Weiter verlässt uns unsere erfolgreiche Vereinsjugendleiterin Annette Brell. An Annette schätzten wir in den letzten fünf Jahren ihre Spontanität und Kreativität. Sie beherrscht den Umgang mit Jugendlichen und zeigte viel Einsatz bei den verschiedensten Veranstaltungen. Danke dir Annette, und ich wünsche dir im Namen des Vereins aber auch persönlich weiterhin viel Spaß im Leben mit deinen Kindern und der Familie.
Bei Matthias könnte ich jetzt bestimmt viel Zeit bei der Laudatio verbringen, lassen Sie mich aber die wichtigsten Punkte aufzählen. Wie ich schon im Sportspiegel geschrieben habe, verdanken wir ihm sehr viel durch sein schon berühmtes „Immer da sein“. Das war für mich eine Riesen Erleichterung und der Verein profitiert bis heute von seiner sprichwörtlichen Umtriebigkeit. Wir konnten uns immer auf ihn verlassen, sei es bei der Bereinigung unserer Adresslisten, beim Eintüten und der Steuerung der Fahnensektion. Nicht selten kam es vor, dass ich irgendwo in Deutschland oder im Ausland unterwegs war und mich ein Anruf ereilte in dem mich Matthias über einen wichtigen Vorgang im Verein Informierte und meine Meinung einholte. Gerade dieses Vertrauen, die Korrektheit zeichnete unsere Zusammenarbeit aus. Wir erinnern uns alle gerne an Vorstandssitzungen, in denen Matthias mich ausbremste und sehr auf die Finanzen des Vereins bedacht war, wenn ich wieder mal zu forsch an eine Sache heran ging.
Sein persönlicher Erfolg ist sicher der Sportlerball. Hier hat er in all den Jahren gewirkt und sich besonders engagiert. Ob es die Musik war oder die Darsteller für den Abend waren, alles war in seiner Hand und das sehr erfolgreich. Ihm haben wir es zu verdanken, dass der Sportlerball wieder eine Größe in Haldenwang ist und wir seit Jahren „ausverkauft“ melden können.
Ich möchte es aber nicht versäumen, mich bei dir Heidi zu bedanken. Hinter einem starken Mann steckt immer eine starke Frau. Du kennst jetzt sicher all die Situationen, in denen Matthias deinen Rat und deine Solidarität braucht. Darum nochmals der Dank des Vereins auch an Dich.
Matthias, wir werden Dich vermissen, wünschen Dir aber bei deinen vielfältigen anderen Aufgaben, eine ebenfalls so glückliche Hand wie beim TV Haldenwang. Matthias danke.
Sie sehen, dass in all den Jahren in den Sport investiert wurde, um den Mitgliedern optimale Bedingungen zu bieten.

Siegfried Limberger
Ehrenvorstand